Greife niemals in die Natur ein.
Brücken gelten gemeinhin als Domäne der Ingenieure, nicht der Architekten. Doch in Millau, einer Stadt in Südfrankreich, die als Zwischenstopp auf dem Weg von Paris zur Mittelmeerküste dient, gingen die Erwartungen der Einheimischen an eine Brücke weit über die bloße Verbindung hinaus – sie hofften auch, dass diese die herrliche Hochebenen- und Flusstallandschaft der Region nicht beeinträchtigen würde.
1996 schlossen sich der Ingenieur Michel Virlogeux und Norman Foster, der als Designdirektor fungierte, zusammen, um mit einem eleganten Entwurf den Zuschlag für die Brücke von Millau zu erhalten. Während die meisten ihrer Mitbewerber die Brücke über das Flusstal bauen wollten, um die tiefer gelegenen Gebiete zu verbinden, konzentrierten sich Virlogeux und Foster auf die Berge. Sie entwarfen ein erhöhtes, in der Luft schwebendes Viadukt, das die beiden Seiten des Plateaus verbinden sollte, und betonten eine Designphilosophie, die auf „Einbettung in die Natur“ ausgerichtet war.