Kazuyo Sejima | Auflösung architektonischer Grenzen durch „Transparenz“
Kazuyo Sejima ist eine renommierte japanische Architektin und Trägerin des Pritzker-Architekturpreises 2010. Ihre Werke, die sich auf einen modernen minimalistischen Stil spezialisiert haben, verkörpern eine exquisite, frische und transparente Ästhetik. Sie versteht es meisterhaft, durch „Transparenz“ architektonische Grenzen aufzulösen und so eine engere Wechselwirkung zwischen Architektur und ihrer Umgebung sowie zwischen Mensch und Raum zu schaffen. Im Folgenden wird diese zentrale Gestaltungsphilosophie detailliert erläutert:
**Transparenz strategischer Materialien**
Materialien werden je nach gewünschter Transparenz ausgewählt und kombiniert, um ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Sichtbarkeit und Privatsphäre zu erzielen. Der Glaspavillon des Toledo Museum of Art nutzt riesige Klarglasscheiben, um nahtlose 360-Grad-Panoramen zu schaffen und die Ausstellungsräume mit dem angrenzenden Wald zu verbinden. Seine doppelwandige Glasfassade sorgt für Klimatisierung und erzeugt ein sanftes, leuchtendes Ambiente. In Tokio verfügt der Dior-Flagshipstore in Omotesando über plissierte Acrylglasscheiben zwischen Klarglasschichten mit integrierten Glasfasern. Diese Komposition aus Glas, transluzenter Schicht und Licht erzeugt einen Farbverlauf – tagsüber wirkt sie wie ein zarter Stoff, nachts leuchtet sie sanft und schafft so einen subtilen Dialog mit dem Straßenbild.
**Transparenz in Nicht-Glas-Materialien**
Auch nicht-glasartige Materialien lassen sich so bearbeiten, dass sie visuelle Transparenz erzeugen. Das Louvre-Lens Museum verwendet lokal bezogene, eloxierte Aluminiumplatten für eine halbtransparente Vorhangfassade, die das industrielle Erbe des Standorts widerspiegelt und gleichzeitig einen metallischen Glanz erzeugt. In Iida City setzt das Ogasawara Memorial Museum auf Glas mit Baummotiven. Diese lichtdurchlässigen Scheiben filtern das Licht, gewährleisten Privatsphäre, schaffen eine visuelle Verbindung zur Berglandschaft und lassen die Grenze zwischen Innen und Außen verschwimmen.