(2) „Der interessanteste Aspekt der Architektur liegt darin, neue Welten zu erschließen, nicht in alte zurückzukehren.“
Der Modernismus propagierte architektonische Innovationen und forderte epochenprägende Gebäude, die neue Lebensstile ermöglichten. Im Kleinen argumentierte Koolhaas, dass Architektur aufkommende soziale Probleme aufgreifen müsse, um fortschrittlich zu bleiben; im Großen führte dies zu seiner Theorie der architektonischen „Eschatologie“. In seiner Dankesrede zum Pritzker-Preis warnte er:„Wenn wir nicht aufhören, uns auf das Vertraute zu verlassen, wenn wir uns nicht von den Fesseln der Zeitlosigkeit befreien, um über neue und drängende Fragen nachzudenken, wird die Architektur das Jahr 2050 möglicherweise nicht überleben.“
Diese Eschatologie prophezeit nicht das Aussterben, sondern die Auflösung traditioneller Architekturlehren. Anders als seine Zeitgenossen legte Koolhaas Wert auf gesellschaftliche Realitäten jenseits der Architektur und untersuchte zentrale Themen wie dicht besiedelte Metropolen, Kommunismus, den Aufstieg Asiens, die Dritte Welt und die Moderne. Diese Themen eröffneten neue kreative Möglichkeiten für die Architektur und den Mut, die alte Welt neu zu gestalten. Er argumentierte, dass die Populärkultur eingehend analysiert werden müsse, um die Grundlagen architektonischen Schaffens zu legen, und plädierte dafür, Architektur als integrative Linse zu nutzen, um Städte, Technologie, Geschichte und Form zu betrachten, anstatt diese Elemente isoliert zu behandeln.