Gott sprach: „Es werde Barcelona“, und so sandte er Gaudí.
Das Dach ist das Prunkstück der Casa Milà . Seine geschwungene Terrasse wogt wie Meereswellen, und die Schornsteine – geformt wie außerweltliche Wesen oder mittelalterliche Krieger in Rüstung – verströmen eine geheimnisvolle Aura.
Seit meiner Reise hierher suche ich unentwegt nach den verborgenen Botschaften in Gaudís Architektur. Gerade sitze ich auf einer von Gaudí selbst entworfenen Bank im Park Güell, genieße die mediterrane Brise und die strahlende Sonne der Iberischen Halbinsel. Mein Blick schweift umher: farbenfrohe, eidechsenförmige Brunnen, schlangenartige Wasserläufe, elefantenbeinartige Säulen und unzählige Pflanzenmuster aus Mosaiksteinen überall… Diese Elemente deuten entweder auf religiöse Bedeutungen hin oder repräsentieren ethnische Kulturen und offenbaren gemeinsam die grenzenlose Magie und allumfassende Erhabenheit der Natur.
Gaudí widmete über vierzig Jahre seines Lebens der Sagrada Família. Am 10. Juni 1926 wurde er auf dem Weg zur Baustelle der Basilika von einer Straßenbahn erfasst. Er war so vertieft in den Bau, dass er das herannahende Fahrzeug gar nicht bemerkte. Gaudí starb schließlich im Krankenhaus. Tausende Einwohner Barcelonas nahmen an seiner Beerdigung teil – sie hatten ein architektonisches Genie, einen Stolz Spaniens verloren.
Er sagte einmal: "My client (God) is in no hurry."Vielleicht hatte er es selbst auch nicht eilig, die Sagrada Família fertigzustellen – denn die Basilika war Gaudís tiefe Hingabe an Gott und den Glauben, eine Hingabe, die für alle Ewigkeit bestehen wird.