Álvaro Sizas Teehaus Boa Nova ist die vollkommene Verkörperung seines Genius Loci – einer zentralen Philosophie, die sein Schaffen prägte. Genius Loci bedeutet nicht nur die Symbiose von Architektur und Landschaft, sondern auch die Bewahrung sozialer und kultureller Kontexte. In den 1950er-Jahren, als sich Portugal angesichts der Globalisierung und der damit einhergehenden Bedrohung lokaler Traditionen öffnete, setzte sich Siza für eine moderne Architektur ein, die mit ihrer Umgebung koexistiert und kulturelle Gene übersetzt, anstatt historische Formen zu kopieren.
Als eines der wichtigsten Frühwerke Sizas thront das Teehaus auf Basaltriffen in Leça da Palmeira, Portugal. Er trotzte dem zerklüfteten, felsigen Gelände der Landzunge und schmiegte das Gebäude wie eine vom Meer geformte Höhle in die Riffe ein, den Stürmen und Gezeiten des Atlantiks trotzend – und verwandelte so widrige Bedingungen in ein Zeugnis seiner Überzeugung, dass Architektur ihre Umgebung annehmen und nicht ihr entfliehen muss.
Seine Formensprache interpretiert portugiesische Bautraditionen mit modernem Design neu: ein schräges Dach aus roter Zeder, gedeckt mit roten römischen Ziegeln, und adlerflügelartige, überhängende Traufen, die vor starkem Wind und greller Sonne schützen und gleichzeitig das mediterrane Symbol des schrägen Daches von Küstenhäusern fortführen.